Nach 6 Projektjahren kommt das Projekt «Vernetzte Biosphäre Marbach» in eine zweite Phase. Die bisherige Umsetzung verlief sehr erfolgreich: Rund 70% der Bauernbetriebe beteiligen sich. Die gesteckten Ziele wurden grösstenteils erreicht.
Die Unterlagen für die zweite Projektdauer wurden kürzlich beim Kanton zur Genehmigung eingereicht. In den nächsten Wochen werden die Vereinbarungen erneuert. Die mitwirkenden Landwirte verpflichten sich darin, weitere Massnahmen zur ökologischen Aufwertung der Marbacher Landschaft umzusetzen. Wir nehmen dies zum Anlass, die Ziel- und Leitarten des Projektes vorzustellen:
Der Feldhase ist in allen Teilen der Gemeinde Marbach präsent. Der Bestand ist aber eher rückläufig. Er ist ein Bewohner des offenen Geländes und schätzt es, wenn die Flächen mit Gehölzen, Hecken, Büschen oder Brachland durchsetzt sind. Die intensive, eintönige Landwirtschaft behagt dem Hasen nicht.
Der Kuckuck bewohnt halboffene, abwechslungsreiche Landschaften, wo er sich nahe von Hecken und Waldrändern aufhält. Unerlässlich sind eine hohe Dichte von Wirtsvögeln sowie ein grosses Raupenangebot als Nahrungsquelle. In Marbach ist der Kuckuck noch oft anzutreffen, gesamtschweizerisch nehmen die Bestände jedoch bedenklich ab.
Als bodenbrütende Art hat es der Baumpieper in der intensiv genutzten Landschaft schwer. Zu häufiges und zu frühes Schneiden der Wiesen verunmöglichen ihm seine Brut durchzubringen. Darum ist er auf extensive Landnutzung angewiesen. Mit seinem auffälligen Singflug ist er im Gelände leicht feststellbar.
Die Bestände des Braunkehlchens sind in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. Die Art benötigt fürs Überleben offene Landschaften mit strukturreichen Mähwiesen, die spät und höchstens zweimal jährlich geschnitten werden. In Marbach brütete das Braunkehlchen früher auch in den Tallagen, inzwischen scheint es aber verschwunden zu sein.
Der höhlenbrütende Gartenrotschwanz liebt strukturreiche, halboffene Landschaften. Ideal sind lockere Obstbaumbestände mit gutem Höhlenangebot und lückiger Krautvegetation. Wo Obstgärten verschwinden und die Bewirtschaftung zu intensiv ist, kämpft die Art um ihr Überleben. In Marbach ist sie aber glücklicherweise noch an verschiedenen Stellen anzutreffen.
Nach einem starken Rückgang im letzten Jahrhundert hat sich der Bestand des Neuntöters kaum erholt. Als Brutplatz und Jagdwarten benötigt er niedrige, dornenstrauchreiche Hecken. Von hier aus jagt er nach Grossinsekten, die er am besten in extensiv genutztem Weideland findet.
Die Zauneidechse befindet sich in Marbach an der Grenze ihres Verbreitungsgebietes. Als wärmebedürftige Art lebt sie bevorzugt in tieferen, südexponierten Lagen mit hohem Angebot an geeigneten Kleinstrukturen. Sie schätzt ein Nebeneinander von lückiger Vegetation, Altgrassteifen und vegetationsfreien Stellen mit lockerem Boden für die Eiablage.
Der Alpensalamander ist in Marbach fast überall präsent. Er bewohnt feuchte Wälder, Alpweiden, Schutthalden und Schluchten, benötigt aber genügend Versteckmöglichkeiten. Als lebend gebärende Art ist er von Gewässern unabhängig.
Die Erdkröte ist auf beständige Stillgewässer angewiesen. Da solche in Marbach selten sind, werden neu erstellte Weiher, wie jener im Schachenhus, schnell als Laichplatz angenommen. Nach dem Ablaichen im frühen Frühling wandert sie oft kilometerweit umher. Sie ist nachtaktiv und überwintert an Land.
Der sonst selten gewordene Baumweissling ist in Marbach noch überraschend zahlreich vertreten. Seine Raupen leben auf verholzten Rosengewächsen wie Weissdorn, Schwarzdorn oder Eberesche, gelegentlich auch auf Obstbäumen. Die Falter bewohnen halboffenes Kulturland mit lockerem Baumbestand, Hecken und reichlich Blütenpflanzen.
Die Artengruppe fasst mehrere anspruchsvolle und bedrohte Tagfalter zusammen, die durch ihre orangerote Farbe auffallen. All diese Arten sind auf vielfältige Wiesenbestände und Streueflächen angewiesen und typisch für intakte Moorflächen.
Der Warzenbeisser ist in Marbach sowohl in trockenen Extensivwiesen wie auch in mageren Flachmooren zuhause. Er ernährt sich vorwiegend von Insekten, daneben auch von Pflanzen. Er hat einen hohen Wärmeanspruch und benötigt für die Entwicklung zwei oder mehr Jahre.
Die Kleine Goldschrecke ist eine wärmeliebende Graslandbewohnerin. Sie besiedelt sowohl feuchte wie auch trockene Wiesen und Weiden und ernährt sich von Gräsern. Verbrachende Säume sind wichtig, da die Eiablage in überständiger Vegetation erfolgt.
Dornensträucher wachsen eher langsam und können durch selektive Pflege gut gefördert werden. Mit ihren Stacheln dienen sie Vögeln als sicherere Brutplätze. Gute Besonnung begünstigt ihre Entwicklung. Für Marbach typisch sind verschiedene Rosenarten, Schwarzdorn, Weissdorn, Kreuzdorn und Brombeeren.
Rund 1500 Einzelbäume prägen das Bild der Marbacher Landschaft. Nebst dem landschaftlichen Wert übernehmen sie auch wichtige ökologische Funktionen. Zu den typische Arten dieser Höhenlage gehören Bergahorn, Mehlbeerbaum, Rotbuche, Stieleiche und Winterlinde.
Wo auf Düngung verzichtet wird und die Mahd relativ spät erfolgt, stellt sich in der Regel eine hohe Vielfalt an Wiesenblumen ein. Eine vergleichbare Vielfalt finden wir auch auf extensiv genutzten Weiden. Der Blütenreichtum bildet die Grundlage für ein reiches Tierleben.
Wollgräser sind auf den nassen Böden der Riedwiesen in Marbach noch weit verbreitet. Sie sind gute Zeiger für sensible und bedrohte Extensivstandorte und reagieren empfindlich auf Entwässerung und Düngung.
In Marbach ist noch eine breite Palette an Orchideen anzutreffen, darunter auch seltene Arten wie der Frauenschuh. Die meisten Arten reagieren empfindlich auf Düngung, intensive Mahd oder Beweidung. Eine Gefährdung geht auch von der Nutzungsaufgabe aus. Werden Wiesen nicht mehr gemäht, verschwinden im Laufe der Jahre auch die meisten Orchideenarten.
Die unscheinbar wirkende Sparrige Simse oder Sparrige Binse wurde im Kanton Luzern bisher nur in Marbach im Gebiet Ober Buhüttli / Hürnlihütten nachgewiesen. Sie wächst auf sauren Rohhumusböden von Magerrasen und feuchten Waldrändern sowie an moorigen Gräben.
Ebenso selten ist die Stängellose Schlüsselblume. Als einziger Fundort im Kanton gilt das Hilferental. Hier gedeiht sie auf frischen, mageren Wiesen, an Rainen und an Heckenrändern. Eine zu intensive Bewirtschaftung verträgt sie schlecht.
Osterglocken sind in Marbach mit unterschiedlichen Arten vertreten. Es kommen sowohl gelb blühende wie auch weiss blühende Arten vor. Welche davon wirklich als Wildpflanzen und welche als Gartenflüchtlinge zu betrachten sind, ist nicht restlos geklärt.