Gemeindeportrait

Marbach –  Idyll im Herzen der Schweiz

Auf halbem Weg zwischen Luzern und Bern, am Fusse der Schrattenfluh im Entlebuch, liegt Marbach. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 45,1 km2, zählt nahezu 1300 Einwohner mit Landwirtschafts-, Gewerbe- und Gastbetrieben. Kein Industrielärm beeinträchtigt das Wohlbefinden des Gastes.

Praktisch das ganze Jahr nebelfrei, eignet sich Marbach besonders im Sommer und Herbst zu schönen Wanderungen mit herrlichem Panorama. Im Winter bietet Marbach vielseitige Skipisten auf der Marbachegg und tadellos gespurte Loipen im Talboden und Schärlig an. Auch als Ausgangspunkt für Ausflüge ist Marbach ideal gelegen. Das übrige Entlebuch, das Emmental und Berner Oberland und die Städte Luzern und Bern sind rasch und bequem erreichbar.

Politische Lage

Politisch ist Marbach eine Gemeinde des Kantons Luzern, und in Gesinnung, in Sitten und Bräuchen sind seine Bewohner waschechte Entlebucher. (Nicht nur, was den Kaffeekonsum anbelangt!) Die Ursachen dafür liegen in der Geschichte dieses Landes:

Geographische Lage

Geologisch gehört die Gemeinde Marbach ins Grenzgebiet zwischen Voralpen und Mittelland, geographisch jedoch gänzlich zu den Voralpen. Ihren östlichen Abschluss bilden die verwitterten Kalkfelsen der sagenumsponnenen Schrattenfluh, die im Hengst bis gegen 2100 m ansteigen, während die westlichen Bergzüge vom Wachthubel bis Rämisgummen weniger hoch und zerklüftet sind, da ihre Unterlage vorwiegend aus Nagelfluh und kalkhaltigem Schiefer besteht. Streng genommen müsste die Gemeinde eigentlich dem Emmental zugerechnet werden, denn ihre Flüsse entwässern zur Grossen Emme.

Marbach ist neben Flühli die höchstgelegene Gemeinde im Kanton Luzern. Zudem sind die beiden Haupttäler, das Tal von Marbach und der Schärlig, nach Norden geöffnet, so dass die Bise ungehindert Durchlass findet. Nicht selten fügt auch der Hagelschlag der Landwirtschaft schweren Schaden bei, gehört doch die Gemeinde Marbach zu den am meisten von Hagel heimgesuchten Gebieten der Schweiz.

Geschichte

Das Entlebuch und der hinterste Teil des Emmentals sind relativ spät erschlossen und bevölkert worden. Im Habsburgischen Urbar vom Jahre 1306 findet sich der Name Marbach zum ersten Mal in einer Chronik, damals als Marpach, wie das Dorf von den Einheimischen heute noch genannt wird. Zu dieser Zeit stand das Entlebuch mit Schangnau und dem Trubtal unter der österreichischen Herrschaft Wolhusen. Kurz vor dem Sempacherkrieg fiel das gesamte Gebiet an die Stadt Luzern. Die rechtlichen Verhältnisse waren jedoch so verworren, dass z. B. in Schangnau Bern die niedere, Luzern aber die hohe Gerichtsbarkeit innehatte. Das führte zu ständigen Reibereien, welche bis fast zum letzten Viertel des 15. Jahrhunderts dauerten. Endlich setzte im Jahre 1470 ein eidgenössischer Schiedsspruch, der Schangnau und das Trubtal der Stadt Bern zusprach, den Streitigkeiten ein Ende. Kirchlich aber gehörten sowohl Marbach wie Schangnau zum Kloster Trub, welches kurz vor der Reformation aus den zwei Gemeinden eine eigene Pfarrei bildete, deren Pfarrkirche in Marbach stand. 1530, nachdem Bern die neue Religion angenommen hatte, wurde Schangnau wieder von der Pfarrei Marbach abgetrennt und reformiert.

Es folgten ruhigere Zeiten, bis 1653 im Entlebuch der Bauernkrieg gegen die Willkürherrschaft der Stadt Luzern ausbrach. Zu den eifrigsten Männern – sie standen neben dem Escholzmatter Christian Schibi und Bannermeister Hans Emmenegger aus Schüpfheim auf der Auslieferungsliste der Luzerner – gehörten der Landeshauptmann Niklaus Glanzmann und Hans Stadelmann von Marbach. Glanzmann ging allerdings straflos aus, ja er wurde später sogar zum Bannermeister befördert. Stadelmann jedoch, der viele Bauern im ganzen Amt Entlebuch aufgehetzt, den französischen Botschafter um Unterstützung gebeten, die Boten der Stadt Luzern verhöhnt und den Luzerner Schultheissen Dulliker mit einer Kugel am Bein verletzt hatte, wurde verraten, gefangen und in Luzern enthauptet.

Bald darauf entzündeten sich die konfessionellen Leidenschaften. Der erste Villmergerkrieg brach 1656 aus. Das Entlebuch musste gegen einen eventuellen Angriff der Berner geschützt werden. Dabei unternahmen die Luzerner einen Streifzug nach Schangnau, es war vielmehr ein Raubzug, bei dem besonders die Kirche und das Pfarrhaus zu leiden hatten. Jubelnd zog man mit der geraubten Beute nach Hause. Indessen konnte man sich in Marbach dieses Sieges nicht lange freuen, denn einige Zeit später rächten sich die Berner an den Marbachern, plünderten und raubten, wobei auch hier der Pfarrer am meisten zu leiden hatte.

Der Franzosenkrieg traf Marbach nicht sonderlich hart, und auch vom Sonderbundskrieg wurde die Gemeinde nur am Rande berührt. Der Einbruch der Berner erfolgte von Kröschenbrunnen her. Eine Abteilung drang über den Sattel in den Schärlig vor und vereinigte sich dann in Wiggen mit dem Hauptheer. Das Dorf Marbach selbst blieb vom feindlichen Einmarsch verschont. Auch die Randgebiete hatten mehr von den Plünderungen des nachfolgenden Gesindels zu fürchten als von den Soldaten. Nach diesem Streifzug durch die Geschichte wenden wir uns nun der jüngeren Entwicklung der Gemeinde Marbach zu.

Dorfbrand 1808

Am 6. Mai 1808, kurz nach 12.30 Uhr, brach im Salzhaus Feuer aus, das sich schnell auf das ganze Dorf und sogar bis zur Sagen ausdehnte und fast alle Gebäude in Asche legte. Am Abend bot das Dorf ein Bild des Grauens: «Mitten im noch dampfenden Schutt steht noch wie in einer hässlichen Wüste der Brunnen, einsam auf ihrem Hügel und sehr beschädigt, und nur durch kühne Geistesgegenwart und unbeschreibliche Mühe gerettet, steht noch die Pfarrkirche und neben ihr, fast ohne Dach, das Schul- und Kaplanenhaus. Noch stehen zwei einzelne Häuser, wie durch ein Wunder gerettet da, sonst sieht man nichts als Entsetzen und Elend...» So schrieb am Tage nach dem Unglück Kaplan Johann Graf an die Luzerner Regierung und bat namens des Gemeindevorstehers um die Entsendung einer Schatzungskommission.

Volkswirtschaft

Abseits von wichtigen Durchgangsstrassen und Bahnen gelegen, ist Marbach fast rein bäuerlich geblieben. Streng ist die Arbeit dieser Bergbauern, liegen doch die meisten kleinen Heimwesen an Hängen zwischen 800 und 1500 m. Nur auf dem Talboden findet sich etwas ebenes Land. Obst gedeiht kaum, auch der Ackerbau spielt keine Rolle mehr, denn das Klima ist ziemlich rau.

Unter den rauen klimatischen Bedingungen kann eigentlich nur Wald- und Viehwirtschaft bestehen. So leben denn die meisten Bauern vom Nutzen des Waldes, vor allem aber vom Erlös der Milch, und jeder ist stolz auf das schöne Vieh im Stall, das zum grössten Teil der Simmentaler Rasse angehört.

Aber wir alle wissen: der Ertrag der Landwirtschaft ist gering. Das Fehlen von grösseren Industrie-Unternehmer bewirkt, dass viele junge Marbacher Bürger anderswo ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Seit etwa 1840 dauert die Landflucht an. Damals lebten in der Gemeinde noch 2000 Einwohner – 1850 waren es interessanterweise genau 1850 – heute sind es deren 1250. Zwar wurde in den vergangenen Jahrzehnten versucht, in Marbach das eine oder andere kleine Industrie-Unternehmen anzusiedeln. Im alten Schulhaus hat eine Zeit lang eine Schuhschäfte-Näherei Geld verdienen ungefähr einem Dutzend, vorwiegend weiblichen Arbeitskräften Verdienst geboten. Ein zweites Unternehmen hat mit etwa der gleichen Anzahl Arbeiterinnen Uhrenbestandteile für die Firma RONDA in Lausen montiert. Beide Betriebe haben in den Siebziger- und Achtzigerjahren ihre Pforten wieder geschlossen.

Milchzuckerfabrikation

Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts hatte es ausgesehen, als könne die Gemeinde Marbach in eine industrielle Zukunft blicken. Es gab hier mehrere Milchzuckerfabrikanten, die ihre Produkte nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland absetzen konnten. Die Entwicklung dauerte so lange, als es den Marbachern gelang, das Rezept zum Raffinieren des Zuckers geheim zu halten. Seit der Jahrhundertswende stehen die Zuckerhütten leer, und die Gemeinde, welche als wohlhabend galt, hat einen grossen Teil ihres damaligen Reichtums eingebüsst.

Gemeindeaufgaben

Allein die Aufgaben der Gemeinde sind seither nicht kleiner geworden. Zwar konnten mit Hilfe von Bund und Kanton die Wildbäche verbaut und ihre Einzugsgebiete – besonders Hürnli und Steigrat – aufgeforstet werden. Die Kosten haben sich gelohnt, ist doch das Tal danach von grossen Überschwemmungskatastrophen verschont geblieben. Aber noch bleibt der Gemeinde genügend Arbeit. Vor allen Dingen sind es die Strassen, welche ihr Sorgen bereiten, denn Marbach hat immerhin eine Fläche von etwas über 45 km2. Leider ist das von Gräben zerfurchte, vielerorts nasse und rutschige Gelände für den Strassenbau keineswegs vorteilhaft. Dennoch ist es wichtig, dass auch die abgelegenen Liegenschaften und Wälder erschlossen werden können.

Die grössten jährlichen Kosten bringt das Schulwesen. Die 1. bis 6. Primarschulklasse wird im Dorfschulhaus in Marbach unterrichtet. Seit dem Schuljahr 2002/03 ist die Orientierungsstufe, bzw. die Sekundarstufe I mit Escholzmatt zusammengelegt worden. Das Schulhaus Schärlig steht seit dieser Zeit leer. Die Gemeinde hält nach einem neuen Verwendungszweck Ausschau.

Die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren stetig erneuert und ausgebaut. Das Gemeindehaus und das Schulhaus mit Turnhalle sind ausgebaut und erneuert worden. In einem Mehrzweckgebäude stehen ideale Räumlichkeiten für die Feuerwehr und den Zivilschutz sowie ein Gemeindesaal zur Verfügung. Der Gemeindesaal steht den zahlreichen Vereinen für ihre kulturellen Anlässe zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Dass es einer kleinen Gemeinde unmöglich ist, ohne Beiträge von Bund und Kanton so grosse Projekte zu verwirklichen, dürfte wohl jedem klar sein. Vielfältig sind ihre Aufgaben, die Steuereinnahmen hingegen ziemlich klein.

Geschützter Dorfkern

Dass die Marbacher trotz der geringen Finanzkraft zu ihrem Dorf Sorge tragen, ist ihnen hoch anzurechnen. Öffentliche und private Gebäude im Dorfkern sind restauriert oder in der althergebrachten Art wieder neu aufgebaut worden (Sigristenhaus, altes Pfarrhaus, Hotel Kreuz u.a.). Auch der Dorfplatz, der von diesen Gebäuden umrahmt wird, soll durch seine Gestaltung und durch die altertümlichen Lampen eine heimelige Atmosphäre verbreiten. Das Dorf Marbach ist als «Ortskern von nationaler Bedeutung» eingestuft und im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS aufgeführt.

Sportliche Erfolge

Marbach hat des öftern in Presse, Radio und Fernsehen im Zusammenhang mit den zahlreichen Erfolgen im Langlaufsport Schlagzeilen gemacht. Seit Josef Haas an den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble im 50-km-Langlauf eine Bronzemedaille holte und damit wohl die grösste Sensation der damaligen Spiele schuf, sind aus einem ungeahnten Reservoir immer neue Langlaufkräfte herangewachsen, wie etwa die Schweizermeister und Olympiateilnehmer Franz Renggli, Karl Lustenberger (Holmenkollensieger 1979) und Fredy Glanzmann, der 1988 an den Olympischen Spielen in Calgary und 1989 an der WM in Lahti im Mannschaftswettkampf der Nordischen Kombination je eine Silbermedaille gewann. An der WM 1995 in Thunderbay (Canada) eroberten Armin Krügel und Stefan Wittwer im Mannschaftswettkampf in der Nordischen Kombination die Bronzemedaille.

In den letzten Jahren sorgte vor allem die Langlaufstaffel des Skiclubs Marbach auf nationaler Ebene für grosse Schlagzeilen und gewann zwischen 1991 und 2001 den Schweizermeistertitel gleich elfmal in Serie. Daran beteiligt waren die Läufer Wilhelm Aschwanden, Beat Koch, Isidor Haas, Erwin Lauber und Andreas Zihlmann. All diese Athleten errangen auch in den Einzeldisziplinen Edelmetall und qualifizierten sich ein- oder sogar mehrmals für die Weltmeisterschaften oder Olympischen Spiele. Beat Koch und Wilhelm Aschwanden eroberten an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano mit der Schweizer Staffel den hervorragenden sechsten Rang und gewannen 1999 den Militär-Weltmeistertitel im Patrouillenlauf. Zahlreiche weitere Marbacherinnen und Marbacher qualifizierten sich für die Nordischen Junioren-Weltmeisterschaften und gewannen an den nationalen Meisterschaften Edelmetall. Zwischen 1962 und 2002 wurden insgesamt 175 Schweizermeisterschaftsmedaillen nach Marbach geholt.

An den Olympischen Spielen 1996 in Altlanta USA gewann Donghua Li am Pferdpauschen die Goldmedaille für die Schweiz. Im gleichen Jahr wurde er auch «Sportler des Jahres». Er ist Marbachs populärster Bürger. Eigentlich ist er ein Chinese, aber durch die Heirat mit der Luzernerin Esperanza Friedli wurde der Ostasiate Schweizerbürger und erhielt das Bürgerrecht seiner Ehefrau, nämlich Marbach.

Sport- und Tourismusort

Schon seit Jahren hat mit dem Skisport für Marbach ein neuer Aufschwung begonnen. Immer mehr entwickelt sich Marbach zu einem Sportzentrum. Das Einzugsgebiet reicht bis in die Nordwestschweiz. Vor allem verbinden Skifahrer aus dem Emmental und dem Berner Mittelland, aus den Kantonen Solothurn und Basel ihr Weekend hier, denn für sie bietet die Marbachegg die nächstliegenden schneesicheren Skipisten. Aus einem Skilift vor Jahren sind es deren vier geworden, zwei unten in Marbach und zwei auf der Marbachegg. Das wichtigste Transportmittel aber ist die Gondelbahn, deren Talstation hinter dem Dorf unmittelbar an der Kantonsstrasse liegt. Die im Jahr 2002 neu erstellte Gondelbahn bringt in 6 Minuten die Skifahrer auf die 600 m höher liegende Marbachegg. Geschätzt wird auch von Nicht-Skifahrern die sonnige Lage der Marbachegg und die prächtige Alpen-Rundsicht.

Auf dem Talboden stehen dem Skiwanderer und Langläufer jederzeit gut präparierte Loipen, in der Umgebung des Dorfes mehrmals wöchentlich am Abend beleuchtet, zur Verfügung. Bei entsprechend kalter Witterung wird beim Mehrzweckgebäude ein Natureisfeld präpariert.

Erfreulich ist es, dass auch im Sommer und Herbst immer mehr Fremde von den landschaftlichen Reizen der Gemeinde Marbach angezogen werden. Viele gut markierte Wanderwege laden die Wanderlustigen ein, auf Wiesen und Weiden, in Wäldern und auf den Bergen die kleinen und grösseren Sorgen des Alltags zu vergessen. Mountain-Bikewege und der Tennisplatz bereichern das sportliche Angebot.

Die Vorzüge von Marbach haben viele Leute aus dem In- und Ausland (besonders Deutsche) bewogen, in den Ferienhaussiedlungen im Pfrundmoos, im Berggrat oder auf der Marbachegg ein eigenes Häuschen zu erwerben. Auch der Campingplatz beim Restaurant Sternen zieht viele Gäste an, die einen festen Standplatz gemietet haben und fast jedes Wochenende hier verbringen.

So ist Marbach von einem einstmals unbedeutenden Ort zu einem Begriff geworden. Zwar sind Sie hier nicht in einem Kurort mit exklusiven Hotels und mondäner Betriebsamkeit. Suchen Sie aber heimelige Gaststätten, Menschen wie «du und ich», das Erlebnis der freien Natur, dann ist Marbach für Sie das Richtige.

Gemeindewappen

In Rot ein schräger blauer Fluss, belegt mit drei silbernen Fischköpfen zum rechten Obereck hin.
Der Name Marbach ist aus den Wörtern March und Bach zusammengesetzt und bedeutet, dass der Bach, der dem Dorf und der Gemeinde den Namen gab, einst die Kirchganggrenze zwischen Escholzmatt und Trub bildete. Im österreichischen Urbar von 1303/09 ist «Marpach» erstmals erwähnt.